Im Mai kommt „Meine Hochzeitsreise in die Urwälder von Kamerun“

Jenny Neralc

MEINE HOCHZEITSREISE IN DIE URWÄLDER VON KAMERUN

Reisebericht, neu aufgelegt, heutige Schrift, Zusatztext- und Zusatzbild-Informationen

Eine wohl eher jüngere Frau geht mit dem Mann auf eine Reise nach Kamerun. Die Erzählerin schreibt: „Kamerun! Allein das Wort hatte stets einen faszinierenden Reiz auf mich ausgeübt. Von allen fremden Ländern war es stets der schwarze Erdteil, der mich am meisten anzog und von diesem wiederum Kamerun. Schon als Kind verschlang ich alle sich darauf beziehenden Reisebeschreibungen und sah ich – als Hamburgerin – Dampfer der Woermannlinie nach Kamerun ausreisen, was ich mir nicht oft entgehen ließ, konnte ich mich oft eines Tränenstromes nicht enthalten, sodaß manch’ lächelnder Blick der am Kai versammelten Menschen das kleine, dicke Mädel traf, dessen Kummer allen unverständlich war. Nie hätte ich geglaubt, daß sich mein glühender Wunsch noch dermaleinst verwirklichen würde; doch das Schicksal meinte es gut mit mir, indem es mir in meinem Lebensgefährten einen Mann zuführte, der bereits 5 Jahre Kamerun bereist, eine tiefe Liebe für dieses schöne Land empfand. Er verstand und würdigte meine Sehnsucht und überglücklich war ich, als er mir als Hochzeitsgabe eine Reise nach Kamerun versprach.“ Das Buch ist ein kurzer Reisebericht, der natürlich auch unter dem Eindruck kolonialer Gesamttöne steht. Deutschland und seine Kolonien, das scheint in gewisser Weise immer noch eine Art von Standard, 1924, bei der Publikation, trotz des deutsch-kolonialen Endes nach dem Weltkrieg II. ab 1918 ff. Entsprechend sollte man das Buch auch mit einer gewissen „fragenden Distanz“ als historisches Zeitzeugnis lesen. Zudem wird man beim Bericht der Jenny Neralc inhaltlich immer eine „Zeitbedingtheit“ (ebenso der Sprache) erkennen.

Jenny Neralc, (ein mögliches Alias für Jenny Claren), Hamburgerin, hatte in Dresden an einem 4. September geheiratet, fuhr aber drei Tage danach bereits nach Hamburg, um mit ihrem Ehemann, einem Afrika-erfahrenen Menschen, früher tätig für die Deutsche Kolonialgesellschaft, nach Kamerun zu reisen. Es war ein Dampfschiff, erste Station Boulogne sur Mer, zweite Station Southampton. Nach neun Tagen gelangte das Schiff nach Santa Cruz, Teneriffa. Danach, in Las Palmas (Gran Canaria), geht es aber auf ein Schiff nach Madeira. Nach fünf Tagen kommt dort wieder ein Afrika-Dampfer der Woermann-Linie. Erster afrikanischer Hafen war Conacry in Französisch-Guinea, nächster Hafen Monrovia in Liberia. Es folgten die Häfen Grand Bassam und Cap Coast Castle. Unweit der Landungsbrücke von Lomé in „Deutsch Togo“ ging das Schiff vor Anker. Es kam noch Lagos (Nigeria) vor dem eigentlichen Ziel der Reise: Kamerun.

Ausschnitt aus dem Ur-Cover-Bild von 1924, Bild vom Künstler Naethe, es könnte sich dabei um Karl Naethe handeln.

Roman von Dennis Kornblum, „Der Eklat“, erscheint im Mai

Der umstrittene Schriftsteller Jascha Wrobel evoziert in einer Talkshow des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks einen Skandal. – Ziemlich genau neun Wochen später diskutieren der Moderator und ein Journalist namens Hagen über die Hintergründe und Auswirkungen des Vorfalls. Was ist da passiert? Welche Vorgeschichte kennt man? Die Journalistin Jasmina Lorentz hat sich in den vergangenen Jahren zur Hauptgegnerin Wrobels entwickelt, sich immer wieder über dessen disputable Aussagen zu sensiblen gesellschaftlichen und politischen Fragen empört. Dabei hat sie versucht, ihn in ein Korsett ideologischer Hetzerei und Frauenfeindlichkeit zu zwängen, und schließlich Wrobels künstlerische Verantwortung und generell seine Kompetenz in Frage gestellt. Zusätzlich hatte sie eine sehr persönliche Bemerkung zu Wrobels türkischstämmiger Ehefrau gemacht. Wenige Wochen nach Erscheinen des Artikels eskalierte die Fehde der beiden in einer legendären, dreizehnminütigen Talkshow-Livesequenz.

Dieser Roman fasst das zusammen, was wir derzeit in so vielen Teilen der Gesellschaft entdecken: Spaltung, überzogene Polarisierung, Wunden, Verletzungen, Extreme … und Ereignisse, die niemand braucht. Kornblum hat den „Skandalautor“ als Modell-Vorlage gewählt und alles in deutlichem Ton, auch bis ins wechselhafte, auch aufregende Denken des Schriftstellers Wrobel hinein, ausgeleuchtet.